Tarifinfo 4 - Null zu Fünf, Arbeitgeber haben nichts zu bieten

Die Arbeitslosenzahlen sind auf einem niedrigen Stand, das Steueraufkommen steigt. Der deutschen Wirtschaft geht es gut, sogar sehr gut – und damit auch dem TÜV. Eine gute Gelegenheit, auch dem Arbeitnehmer in der anstehenden Tarifrunde eine nachhaltige Gehaltserhöhung anzubieten und nicht – wie so oft – einen Inflationsausgleich.  So dachte ver.di, als wir den Arbeitgebern mit 5% unsere Idee für die Anhebung der Gehälter präsentierten.

Doch die Tarifgemeinschaft TÜV machte schlechte Stimmung und ließ dunkle Gewitterwolken über dem Verhandlungstisch aufziehen. Die guten Zeiten seien vorbei – wenigstens in Deutschland. Geld wird sowieso nur noch im Ausland verdient. Die Gehälter für die Altbeschäftigten seien seit 1998 um 35 % gestiegen, bei den Neubeschäftigten stiegen sie im gleichen Zeitraum sogar um 50%. 

Damit muss jetzt Schluss sein. Steigerungen der Gehälter jenseits der Inflationsrate darf es in Zukunft nicht mehr geben.

So viel schlechte Stimmung – trotz guter Wirtschaftsdaten? 

Da muss man schon weit in die Trickkiste greifen. Von den Arbeitgebern wird behauptet:

  1. Trotz guter Auftragslage und Umsatzentwicklung ist die Ertragslage mager. 
  2. Der TÜV NORD würde das schlechteste Ergebnis in seiner Geschichte einfahren, wenn die Zahlungen für die Altersvorsorge nach HGB Bilanzierung berücksichtigt werden.  
  3. Zuviel Geld muss in die Altersversorgung abfließen, sonst drohen einzelne Gesellschaften in massive Schwierigkeiten zu geraten. 
  4. Die Digitalisierung wird zu einem Beschäftigungsabbau führen. Zudem haben die Mitbewerber frühzeitiger erkannt, dass man mit Franchise-Unternehmen besser die Kosten senken kann. 
  5. Dort gibt es bei Neuanstellungen ein niedriges Grundgehalt – die Steigerung der Lebensqualität muss dann über einen Leistungsbonus hart erarbeitet werden.

Die Schlussfolgerungen der Arbeitgeber

  •  In der jetzigen Situation würden deutliche Tariferhöhungen zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. Daher sollte es nur eine Erhöhung der Gehälter im Rahmen der Inflationsrate geben. 
  • Im Klartext heißt das: die Inflationsrate beträgt aktuell 0 (in Worten NULL Prozent). Es wird erwartet, dass sie sich nur auf 0,5 % nach oben bewegt. 
  • Damit nicht genug. Die Stufe H hindert die Unternehmen daran, außertariflich neue Kolleginnen und Kollegen einzustellen. Daher fordert die Arbeitgeberseite, H ganz zu streichen. 
  • Und außerdem: eine Übernahmegarantie für Auszubildende (wie von ver.di gefordert) würde nur dazu führen, dass die Unternehmen weniger Auszubildende einstellen.

Ein Verzicht auf Gehaltserhöhungen und auf eine Übernahme von Auszubildenden soll Arbeitsplätze erhalten und schaffen – und das mitten im Wirtschaftsaufschwung? 

Schlichter geht’s nimmer! Mit dieser Logik traut sich nicht einmal mehr die Initiative für soziale Marktwirtschaft in die Öffentlichkeit. Ob wohl in der Bilanzpressekonferenz des TÜV auch nur von den schlechten Wirtschaftsdaten die Rede sein wird und wie wenig konkurrenzfähig der TÜV dasteht? Ob es wohl einen Vorschlag geben wird, die Tantiemen für den Vorstand deshalb entscheidend zu kürzen?

Der TÜV ist doch kein Sanierungsfall

Hier wird so getan, als ob der TÜV NORD, der TÜV Hessen und die GRS, um nur die größten zu nennen, bei angemessenen Tariferhöhungen kurz davor stehen, zum Sanierungsfall zu werden. Gleichzeitig soll die Tarifkommission einem Modell zustimmen, bei dem wegen der guten Ertragslage in Teilen des Geschäftsbereichs Industrie Service Bonuszahlungen an die MitarbeiterInnen ausgeschüttet werden sollen! 

Die Belohnung von Wenigen wird dann zur Mahnung an die anderen: Strengt Euch mehr an, jetzt gibt es erst einmal nichts.

So darf es nicht kommen, und so wird es auch nicht kommen. Lasst uns gemeinsam für eine tarifvertraglich garantierte Gehaltserhöhung von 5% sorgen – für alle Beschäftigten. 

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